Jenseits von Gut und Böse – Aufhebung der Polarität Teil II

Die Absicht fallen und das Glück kommen lassen.

Bisher dachte ich immer es sei gut, eine Absicht zu haben und im Leben für etwas zu kämpfen. Wir können diesen Ansatz in vielen Büchern über Wunscherfüllung und das Gesetz der Anziehung nachlesen. Dort heißt es, unsere Absicht bringt das in unser Leben, was wir uns wünschen. Doch was geschieht wirklich, wenn wir etwas anstreben?

Ein Beispiel: Ich habe die Absicht, liebevoller mit mir selbst und meinen Mitmenschen zu sein. Wenn ich sage: „Ich möchte liebevoller sein“, was sage ich damit tatsächlich aus? Ist es nicht vielmehr die Aussage, ich sei jetzt in der Gegenwart „nicht liebevoll“? Wenn ich etwas sein oder haben möchte, also etwas anstrebe, ist es nicht so, dass ich dann im Moment davon ausgehe, dass ich es nicht bin oder habe? Wozu sollte ich sonst etwas anstreben?

Mir sind diese Gedanken dazu gekommen, als mir bewusst geworden ist, dass immer, wenn ich mir etwas sehr gewünscht habe, die Erfüllung lange auf sich hat warten lassen. Ich habe mir etwas gewünscht und mir vorgestellt, es sei schon da, doch die sogenannte Realität hat meinen Blick immer wieder auf den Mangel von dem gelenkt, was ich mir wünschte. Statt mich also erfüllt und glücklich zu fühlen, fühlte ich den Mangel daran. Und diesen Mangel wollte ich natürlich nicht fühlen. Also nahm ich an, ich müsste den Mangel bekämpfen, um die Fülle, die ich mir ersehnte, zu erlangen. Dies führte jedoch nicht zum gewünschten Resultat.

Mir wurde allmählich bewusst, dass das Anstreben und Bekämpfen einen negativen Fokus schafft, der genau das in mein Leben zieht, was ich mir nicht wünsche. Es erschafft einen Mangelzustand.

Wie komme ich nun von diesem Mangelbewusstsein in die Fülle?

Ich habe angefangen, damit aufzuhören, einen Zustand zu bekämpfen oder mir vorzunehmen, etwas erreichen zu wollen, das ich jetzt angeblich noch nicht habe. Das ist gar nicht so leicht, wie ich feststellen musste. Denn dieses Verhalten, etwas anzustreben oder zu bekämpfen scheint sehr tief in uns verankert zu sein. So begegnet mir diese Reaktion meines Verstandes immer wieder mal. Mein Umgang damit hat sich jedoch verändert.

Ein Beispiel aus meinem Leben, das gerade sehr aktuell ist: Seit vielen Jahren beabsichtige ich, Deutschland zu verlassen und ein Leben in Gemeinschaft in einer schönen Natur und warmen Umgebung zu führen. Dies stellte mein Ziel dar, und damit das, was ich angestrebt habe. Dabei habe ich eine Zeit lang erlebt, wie ich gegen das, was meine momentane Lebenssituation war, gekämpft habe. Dies konnte ich daran erkennen, dass ich mich unwohl und gestresst gefühlt habe. Ich war innerlich immer damit beschäftig, Lösungen und Auswege für mich zu finden. Und mit meiner Situation war ich alles andere als einverstanden. Inzwischen hasste ich das Leben in einer Stadt, die vielen Autos, die gestressten Menschen, den Beton. Ich vermisste immer mehr die Natur, und Menschen, die im Einklang mit sich und der Natur sind.

Alles, was ich mir an Plänen machte und mir ausdachte, um da heraus zu kommen, ging schief. Zeitweise war ich regelrecht verzweifelt darüber. Etwas in mir konnte einfach nicht loslassen. Das änderte sich vor ungefähr zwei Jahren. Einige Erfahrungen, die ich machte, zeigten mir, dass wirklich alles in meinem Leben, so wie es ist, gewollt und richtig für mich ist. Und dies auch dann, wenn sich etwas für mich schmerzhaft anfühlte. Hinterher stellte sich immer heraus, dass es mir einen Dienst erwiesen hat. Dabei ging es zumeist darum, weiter zu wachsen und mich in der Tiefe zu erkennen. Alle Erfahrungen helfen mir dabei.

Es gibt keine falschen oder schlechten Erfahrungen mehr für mich.

Stattdessen frage ich mich heute bei jeder Erfahrung: Wozu dient es mir? Was kann ich daraus lernen? Was ist das Geschenk in dieser Situation?

Nachdem ich eine Weile so mit meinen Erfahrungen umgegangen bin, stellte sich in mir ein tiefes Vertrauen ein: Das Vertrauen, dass mir alle Erfahrungen dienen, und das das, was meine momentane Lebenswirklichkeit ist, meine innere Realität spiegelt. Und diese innere Realität aus Annahmen und Glauben kann ich verändern. Damit habe ich die Macht, mein Leben auf eine Weise zu gestalten, die mir Freude und Erfüllung schenkt.

Ich hörte also innerlich auf, gegen meine Realität anzukämpfen. Ein Interview von Samarpan, dass ich mir im letzten Jahr bei dem Online-Kongress „Erwachen“ von Katharina und Thomas Nestelberger anhörte, bestärkte mich in meinem neuen Ansatz. Samarpan erzählte an einer Stelle des Interviews, wie er mit verschiedenen Situationen umgeht, und aus dem Bewerten heraus kommt. Bei jeder Erfahrung sage er innerlich: „This“. Das war alles. So einfach und so klar. Seitdem habe ich das „this!“ schon zig Male in meinem Leben angewandt. Und es wirkt ganz wunderbar!

Einfach: „This!“

Mein Leben hat sich dadurch unglaublich vereinfacht. Dieses „This!“ beinhaltet auch ein Schmunzeln, einen Humor für mich. Ich sage es innerlich mit einem Lächeln. 🙂

Auf wundersamer Weise befinde ich mich seitdem immer mehr wie „im Fluss“. Ich lebe immer noch in einer Stadt. Aber inzwischen in einer viel kleineren und gemütlicheren. Ich habe viele aufgeschlossene und herzliche Menschen kennen gelernt. Und fühle, ich bin nun auf dem Weg, an dem sich meine Träume wie von selbst erfüllen. Ich kämpfe nicht mehr gegen die sogenannte Realität. Ich akzeptiere sie. Und nicht nur das: Ich sehe die Schönheit hier am Ort, die Geschenke, die ich hier erhalte. Das wichtigste: Ich spüre die Freude, lebendig und frei zu sein, die Verbundenheit mit Gleichgesinnten und mit der Natur

Ich fühle, mein Traum ist schon wahr geworden in mir.

Jeden Tag lasse ich mich leiten, die Impulse umzusetzen, die von meinem Herzen kommen. Stück für Stück setzte ich all das um, was an Aufgaben an mich heran getragen wird. Obwohl ich beispielsweise noch gar nicht weiß, wann es losgeht und wohin genau, habe ich bereits jetzt ein Konto bei einer anderen Bank beantragt, damit ich im Ausland kostenfrei mein Geld abheben kann. Ich tue das, weil ich den Impuls dazu bekommen habe. Ich hinterfrage ihn nicht.

Natürlich gibt es in meinem Leben noch manchmal Tage, an denen ich Zweifel und Ängste spüre. Dann nehme ich wahr, dass meine Energie nicht so hoch ist. Häufig gab es im Außen ein Ereignis, dass eine Angst in mir ausgelöst hat. Eine Zeitlang produziert mein Verstand Widerstand gegen das, was ist, und dieser Widerstand nimmt mir Kraft. Sobald ich den Vorgang durchschaut habe, und ich fühlend beginne, den Widerstand in mir anzunehmen, löst er sich auch schon wieder auf.

Das Fühlen von dem was ist, ist unglaublich wichtig.

Fühlen, wie die Kinder es tun, wenn sie mit einer Situation konfrontiert sind, die ihnen Angst oder Schmerzen bereitet. Sie weinen, sie toben oder schreien. Und dann wenden sie sich wieder dem zu, was ihre Aufmerksamkeit und Neugier erregt. Sie hängen den Vorgängen nicht hinter her, wie es häufig wir Erwachsenen tun. Nachdem Kinder ihrem Ärger oder ihrem Schmerz Luft gemacht haben, und einen Raum von Verständnis und Anteilnahme beim Erwachsenen gefunden haben, ist ihr Ärger oder ihr Schmerz verpufft. Er löst sich komplett auf.

Anders als bei den meisten Erwachsenen. Wir sind viel mehr im Kopf, viel mehr mit unserem Verstand verbunden, als es unsere Kinder sind. Zumindest die, die noch nicht so sehr sozialisiert sind durch Schule und andere Einrichtungen. Wenn uns Erwachsene etwas ärgert, posaunen wir dies meist nicht nur laut heraus, wir wälzen es häufig auch noch Stunden- und Tage- oder Wochenlang in unserem Kopf herum. Wir fragen uns, warum uns das geschehen ist. Oder wie wir hätten anders reagieren können.

Der Punkt ist: Wir lassen nicht los!

Wir doktern ständig an einer Erfahrung oder an einem Menschen herum. Statt es einfach zu akzeptieren. Und damit loszulassen.

Von Kindern können wir massenhaft lernen.

Sie sind in diesem Punkt wie Meister für mich. Und nicht nur darin. Auch im Einnehmen völlig neuer Blickwinkel öffnen sie mir die Augen. Ich habe also aufgehört, aktiv nach Lösungen zu suchen, die ich jetzt noch nicht sehen kann. Stattdessen bin ich bewusst ins Vertrauen gegangen.

Ich weiß heute, dass ich nicht mehr zu kämpfen brauche.

Das heißt für mich nicht im Umkehrschluss, dass ich nicht mehr für etwas einstehe. Wenn der Impuls da ist, dann setze ich mich für eine Tätigkeit oder ein Projekt ein. Dann gebe ich alles. Dies ist aber etwas anderes als kämpfen. Beim Kämpfen bin ich gegen etwas eingestellt. Mein Engagement hingegen setzt sich für etwas ein, und das ist eine ganz andere Energie. Es macht mich glücklich, Impulsen, die durch mich kommen zu folgen, und ein Projekt zu verwirklichen, das durch mich verwirklicht werden will.

Meine Erfahrung ist: Das Leben geschieht, wenn ich es zulasse.

Alle Veränderungen, die ich in den letzten Jahren durchlaufen bin, sind dann eingetreten, wenn ich Platz gemacht habe, wenn ich aufgehört habe, zu kämpfen. Plötzlich entfalteten sich die Dinge wie von allein. Das, was ich hinzugebe sind Vertrauen und meine aktiven Schritte, wenn sie gefordert sind. Seitdem ist in mir spürbar mehr Frieden vorhanden. Ich fühle mich vom Universum unterstützt und geliebt. Menschen treten als „Erdenengel“ in mein Leben. In meinem Körper fühle ich eine tiefere Entspannung.

Nur wenn wir entspannt sind, können wir uns vom Fluss des Lebens tragen lassen.

Andernfalls begeben wir uns Stromaufwärts in den Widerstand. Das ist alles andere als entspannend. Der Fluss – das Leben – weiß, wo es für uns hingeht. Das ist auch der Grund, warum ich mich ihm immer leichter anvertrauen kann. Ich muss nicht alles mit meinem Verstand durchdrungen und verstanden haben. Wenn sich mir eine Tür schließt, weiß ich, dass sie nicht die richtige für mich ist. Dann wartet eine passendere und viel schönere Möglichkeit auf mich.

Mit einer Offenheit, wie ein Kind, dem Leben begegnen.

Wieder die Wunder in allem erkennen. Im Vertrauen zu uns selbst und dem Leben.

Das wünsche ich uns!

Sternengrüße
Eure Astrid *Sternenseglerin