Jenseits von Gut und Böse Teil 3 – Die Illusion von Konkurrenz

Konkurrenz? Gibt es sie? Und was, wenn sie nur eine Illusion ist?

Vor ein paar Tagen bin ich bei Facebook über einen Interviewausschnitt mit Christine Salopek und Ingrid Auer (Online-Kongress Maria Madalena) auf dieses Thema gestoßen. Ingrid erzählte in dem kurzen Ausschnitt, dass sie sich aufgrund des allgemein herrschenden Konkurrenzdenkens aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen habe, um sich zu schützen.

Das konnte ich gut nachvollziehen. Wer will schon von anderen angefeindet werden und sich ständig nervenden und verletzenden Kommentaren neidischer Mitmenschen aussetzen? Und ich musste an eine Zeit denken, in der ich selber stärker mit diesem Thema zu tun hatte.

Vor zwei Jahren hatte ich den Impuls, einen Blog zu starten und regelmäßig Beiträge dort zu veröffentlichen. Ich schrieb zwei oder drei Artikel, drehte ein kurzes Video, doch dann ließ meine Aktivität nach. Ich konnte mir selbst dabei zusehen wie ich, statt mich ganz auf diese Tätigkeit einzulassen, andere Dinge in den Vordergrund schob, die eigentlich nebensächlich waren.

Warum waren diese anderen Tätigkeiten nebensächlich? Weil sie nicht meine Herzensangelegenheit waren. Die Seite dagegen schon. Immer wenn ich daran dachte, kam Freude in mir auf. Doch sobald ich mir vornahm, einen Schritt in diese Richtung zu gehen, kamen andere Dinge dazwischen oder ich wurde müde oder sogar mit einem Suchtverhalten rückfällig.

Bald war mir klar, dass es Angst war, die mich zurück hielt.

Welche Angst ist es wohl?, fragte ich mich. Die Antwort kam sofort: Ich hatte Angst davor, mit dem Schritt in die Öffentlichkeit sichtbar und damit angreifbar zu werden.

Es war die Angst vor dem Neid anderer, besonders vor den Neid von Frauen.

Draußen beim Einkaufen, auf der Straße oder einer Feier  passierte es mir immer wieder, dass ich giftige Blicke von Frauen wahrnahm, besonders, wenn sie mit ihren Partnern unterwegs waren. Jedes Mal spürte ich einen tiefen Schmerz in mir. Ich sehnte mich so sehr nach Verbindung mit ihnen und ich verstand nicht, warum ein Teil der Frauen so auf mich reagierten.

Es war nicht so, dass mir das ständig wiederfuhr. Doch gab es in mir eine Art Zurückhaltung und ein Misstrauen Frauen gegenüber. Ich fürchtete mich vor ihrem Neid. Diese Angst war irgendwie in mir angelegt.

Meine innere Führung brachte mich schließlich dazu, mich bewusst diesem Thema zu stellen, und nicht mehr davon zu laufen.

Nach einem Umzug wurde ich in unmittelbarer Nachbarschaft direkt damit konfrontiert. Damit gab es für mich kein Ausweichen mehr. Ich war plötzlich Auslöser für den Neid einer Frau geworden, die selbst ihren Wert nicht erkannt hatte. Egal was ich versuchte, um Frieden herzustellen, es gelang nicht auf Dauer. Immer wieder brach dieses Thema auf, und ließ mich in meinem Zuhause nicht mehr wohl fühlen.

Die ersten Wochen und Monate wehrte ich mich gegen diese schmerzliche Erfahrung.

Ich versuchte mich zu schützen, indem ich mich komplett zurückzog. Der Widerstand verstärkte natürlich mein Unwohlsein. Es gelang mir nicht wirklich, mein Herz für die Situation und die Gefühle in mir zu öffnen. Die Bedrohung war noch zu stark.

Dies änderte sich schlagartig, als ich den Impuls empfing, mit dem Thema Neid ganz tief nach innen zu gehen.

Nach nur wenigen Augenblicken der Stille und einem tiefen Hinspüren erkannte ich den Grund, weswegen ich mit Neid in so schmerzvoller Berührung gekommen war. Mir fiel ein, dass mir meine Mutter von früh an mit Neid begegnet war. Sie burschikos und männlich, ich eher sensibel und weiblich ausgerichtet. Meine Mutter erzählte mir mal, dass sie typisch weibliche Frauen, die Wert auf eine gepflegte Erscheinung legen, nicht ausstehen könne. Meine langen Haare waren ihr von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen. Mir fielen viele Situationen und Äußerungen meiner Mutter ein, die zeigten, wie tief sie von Neid und Ablehnung mir gegenüber betroffen war.  Ich hatte dies in meinem Leben komplett ausgeblendet.

Dazu brauchte es erst diese verschärfte Situation in meinem Leben, in denen sich die Ereignisse zugespitzt hatten und es kein Entrinnen mehr davor gab. Neid betraf mich, Neid verletzte mich. Und so war es eine zeitlang zu meinem Thema geworden.

Nachdem ich die unverheilte Wunde für mich erkannt hatte, änderte sich alles in mir.

Ich brauchte mich plötzlich nicht mehr im Außen gegen etwas zu wehren, da ich nun wusste, dass mein Umfeld mir nur mein Inneres gespiegelt hatte.

Natürlich kannte ich diese Weisheit – innen wie außen – schon lange. Doch steckte ich selbst in diesem Thema fest. Ich war wie blind. Ich fühlte mich als Opfer, obwohl ich vom Verstand her wusste, dass alles im Leben auf Resonanz beruht. Doch mein Gefühl war anders gewesen.

Am Ende war ich glücklich und dankbar, dass alles so gekommen war.

Denn ich konnte durch diese Situation enorm wachsen.

Indem ich Ja zu dieser Erfahrung sagte, habe ich diese schmerzliche Wunde in mir geheilt. Die Heilung konnte erst geschehen, nachdem ich aufgehört hatte, mich dagegen zu wehren. Nachdem ich in mir gefühlt erkannt habe, dass es in mir Resonanz dafür gab.

Denn auch Gebete und Vergebungsrituale hatten nicht dazu beigetragen, dieses Thema in mir zu erlösen. Das lag daran, weil eine wichtige Erkenntnis gefehlt hatte. Nachdem ich die Information für die Ursache bekommen hatte, geschah das Loslassen wie von selbst.

Heute sehe ich diese Erfahrung als ein Geschenk an.

Meine Seele hat mir diese Umstände beschert, damit ich das Thema des Neides in mir erlöse. Das Thema, dass mich auch schon zuvor all die Jahre davor abgehalten hatte, in meine Kraft zu gehen und mich zu zeigen.

Ich bin sehr dankbar für alles, was ich durch die Situation lernen und erfahren durfte! Meine Dankbarkeit erstreckt sich sowohl auf meine Mutter als auch auf die Frau, die mich damit so rigoros konfrontiert hat.

Alles geschah im Einklang mit allem was ist. Das kann ich heute sehen. Als ich noch direkt in der Situation und damit identifiziert war, sah das für mich natürlich anders aus. 😉

Mir liegt dieses Thema sehr am Herzen. Ich glaube, dass es viele Menschen betrifft, die in sich spüren, dass sie gerne mit ihrem Herzensanliegen und ihrem Dienst nach außen gehen möchten, sich aber nicht trauen.

Ich habe erkannt, dass Neid und Konkurrenz tatsächlich nur eine Illusion sind.

Sie haben nur solange Macht über uns, solange wir uns mit der Angst vor ihr identifizieren und meinen, uns wehren zu müssen.

Es gibt kein von uns getrenntes Außen.

Alles ist nur ein Spiegel von uns selbst. Und somit dient uns auch alles, was uns begegnet, als eine Möglichkeit, uns selbst zu erkennen.

Wir brauchen den Spiegel im Außen nicht zu verändern. Wir müssen nicht an ihm rummeckern. Das wäre, als wenn wir versuchen, mit der Bürste in der Hand die Haare im Spiegel zu glätten.

Unsere äußeren Umstände ändern sich erst, wenn wir uns im Inneren verändern.

Und das ist weder als gut noch als schlecht zu bewerten. Wir haben jeden Tag, jeden Moment die Möglichkeit zu lernen und uns selbst zu erfahren. Wie lange ein Mensch braucht, um ein Thema in sich zu erkennen und der Heilung zu übergeben, spielt in Wirklichkeit keine Rolle. Wir sind hier für uns selbst. Um uns geht es, und um unsere Heilung.

Umso heiler wir sind, umso mehr können wir anderen ein Licht sein, dass inspiriert und alternative Sichtweisen und Wege aufzeigt.

Neid können wir natürlich auch so erfahren, dass wir selbst neidisch auf jemanden sind, und darunter leiden.

Dann ist es wichtig, zu erkennen, dass das, worauf wir neidisch sind häufig genau das ist, was wir in uns entwickeln wollen und noch unterdrücken. Wir glauben, nicht wert genug zu sein, und projizieren unseren unterdrückten Wert auf andere. Der oder die andere Person scheint dann genau das zu haben, was wir so schmerzlich im Leben vermissen und wonach wir uns sehnen.

Alles, was wir an anderen bewundern oder beneiden ist Teil unseres eigenen Potentials, dass nur darauf wartet, von uns entfaltet zu werden.

So können wir das Gefühl unseres eigenen Neides als einen wertvollen Hinweis verstehen, was in uns jetzt entwickelt werden will, und was wir als Schatz in uns tragen.

Neid als „schlecht“ anzusehen, hält uns in der Illusion der Trennung von uns selbst und von unserer Macht.

Wenn wir beginnen, jegliche Situationen im Leben einschließlich unserer Gefühle als Wegweiser zu sehen, verlieren sie ihre Bedrohlichkeit. Das Leben ist immer für uns!

Es gibt keine Gegner und keine Konkurrenz.

Sie erscheinen in unserem Leben, solange wir noch damit auf einer Ebene in Resonanz sind. Sobald wir das Themenfeld dazu in uns aufgelöst haben, kann uns der Neid anderer oder Konkurrenz nicht mehr betreffen. Weil wir dann nicht mehr „betroffen“ sind.

Wir dürfen unseren Wert, unsere Gaben und unsere Schönheit teilen!

Die Welt wartet nur darauf, dass immer mehr Menschen ihr Talent mit anderen teilen.

Es war mir ein tiefes Anliegen meine Erfahrungen und meine persönliche Sicht zu diesem Thema mit euch zu teilen.

Jetzt bin ich neugierig von deinen Erlebnissen und Ansichten zu erfahren – schreib mir gern einen Kommentar dazu, wenn du magst.

In Verbundenheit

Astrid *Sternenseglerin