Wenn es anders kommt als geplant

Kennt ihr das? Ihr habt eine Idee. Der Entwurf steht. Es wird ein Plan gemacht. Und dann das: Unerwartet geschieht etwas, das den ganzen Plan auf den Haufen wirft.

Mir ist das so gegangen. Spätestens Ende Juli / Anfang August wollte ich mobil in einem Wohnwagen nach Spanien fahren. Im Frühling hatte ich zusammen mit meinem Freund Oliver (Name geändert) die Tour geplant, wir fingen an, nach einem passenden Wohnwagen und all den technischen und anderen Notwendigkeiten zu schauen.

Ungefähr Mitte Juni verliebte Oliver sich in eine andere Frau. Damit änderte sich alles für mich. Oliver hatte zunächst die Idee, die Reise mit uns beiden zu machen. Doch für mich fühlte sich das nicht stimmig an. Es ist von Anfang an meine Reise und meine Idee gewesen. Schon seit Jahren weiß ich, dass ich in den Süden nach Spanien ziehen und dabei ganz meiner Intuition und den Impulsen von innen folgen möchte.

Wie war meine erste Reaktion auf die veränderte Situation gewesen?

Zunächst fühlte ich eine Enttäuschung und einen tiefen Schmerz. Auch Angst, die daher rührte, dass die Reise gemeinsam geplant war, und von Mitte Juni bis Ende Juli nur noch ein paar  Wochen Zeit waren, um eine andere Lösung für mich zu finden. Der gewählte Zeitpunkt des Auswanderns war mir wichtig, weil Anfang August für meine sechsjährige Tochter die Schule beginnen würde, die ich ihr zugunsten eines freien und selbstbestimmten Lernens ersparen wollte. Ich fühlte mich schon seit Jahren mit anderen freilernenden Familien verbunden.

Zu alledem kam hinzu, dass ich kaum finanzielle Mittel hatte, um mir ein Auto oder Wohnwagen zu kaufen. Und mir vorstellen, so ein Abenteuer allein zu durchstehen, konnte ich auch nicht. Es war ein gutes Gefühl gewesen, einen Begleiter dabei zu haben. Jemand, mit dem ich liebevoll verbunden bin, der mit uns und für uns da ist.

Das alles durchfuhr in kurzer Zeit mein Bewusstsein. Traurigkeit und Angst wechselten sich ab. Mein Verstand fragte sich, warum diese Situation entstanden war. Und schon die Frage allein reichte, um mich an eine tiefe Weisheit zu erinnern: Wenn etwas in unserem Leben geschieht, hat es immer einen Sinn und dient unserem Wachstum. Diese kurze Erinnerung reichte, um mich dem Geschehen noch tiefer hinzugeben, und die Gefühle sein zu lassen.

Es mag sich merkwürdig anhören, doch bereits nach ungefähr einer halben Stunde änderte sich mein Erleben. Ich fühlte eine Akzeptanz in mir.

Etwas in mir sagte voll und ganz Ja zu dieser Erfahrung.

Und ein leiser Impuls meldete sich: Schau doch mal im Internet, was so ein Wohnwagen überhaupt kostet…

Mit diesem Gedanken rührte sich ein kribbelndes Gefühl in mir. Ich ging also zu meinem Laptop und schaute mir auf verschiedenen Seiten die Angebote von Wohnmobilen und Wohnwägen an. Und siehe da, die Auswahl, die finanziell in Frage kam, war zwar alles andere als luxuriös, aber es gab Wohnwägen, die ich mir ggf. durch den Verkauf meines Hausrates leisten könnte. Aber ein Auto…?

Mein kleines Ich – auch Ego genannt – hatte natürlich große Zweifel und Bedenken bei all dem. Es flüsterte mir alle möglichen Gefahren zu, die unterwegs passieren könnten, als Frau allein mit Kind und mit nur geringen finanziellen Mitteln. Die Sache mit dem Auto ließ mir keine Ruhe mehr. Und da kam der Impuls, einen lieben Freund von mir zu fragen. Dieser telefonierte daraufhin mit seinem Vater, der über einige Kontakte zu Autohändler verfügte. Seine Antwort war, es gäbe im üblichen Autohandel kaum noch günstige Autos, weil diese alle in den Osten verschifft würden, aber: Er bot mir sein Auto für 1000 Euro an. Da war ich wie aus dem Häuschen!!

Gleichzeitig explodierte in meinem Herzen eine Freude und Begeisterung bei der Idee, die Reise unabhängig  zu machen, im Vertrauen auf meine innere Führung.

Ich wusste auf einmal, dass diese Erfahrung, die ich gerade durchlebte, für etwas gut war.

Sie diente mir. Sie lud mich ein, zu wachsen. Über mein kleines begrenztes Ich hinaus zu gehen. Es fühlte sich lebendig an, nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Es stellte sich heraus, dass der mir angebotene Wagen für meine Zwecke doch nicht so geeignet war. Doch sein Angebot war wie ein „Startsignal“. Es war das Signal, mich von nun an ganz auf meine innere Stimme zu verlassen. Allen Halt im Außen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass für mich gesorgt ist.

Ich folge schon seit vielen Jahren bewusst meiner inneren Stimme. Ich gehe davon aus, dass allen Menschen im Inneren ein Kanal zur Verfügung steht, durch den er Weisheit und Führung erhält. Doch gab es auch einen großen Anteil in mir, der sich im Außen nach Sicherheit sehnte, der sich manchmal sehr unsicher und ängstlich fühlte.

Und da kam die Einladung im Frühjahr, dieses Abenteuer gemeinsam mit meinem Freund zu machen, gerade recht. Es hatte diesen unsicheren Teil in mir beruhigt. Oliver kümmerte sich um viele vor allem auch technische Details, während ich mehr danach schaute, was wir alle zum Wohlfühlen bräuchten. Ich fühlte mich vom Universum geliebt und unterstützt. Ich durfte meinen Weg gehen, und bekam sogar noch einen liebevollen Begleiter an meiner Seite.

Während der Zeit der Vorbereitungen zeigten sich manche Schwierigkeiten im persönlichen zwischenmenschlichen Bereich. Ich ging jedoch davon aus – und das ist eine meiner grundlegenden Haltungen – dass auch schwierige Situationen allen Beteiligten dienen, und die Möglichkeit geben, etwas zu lernen. In all den Jahren der tiefen Auseinandersetzung und Begegnung mit mir selbst habe ich gelernt, allen Situationen offen zu begegnen. D.h. nicht, dass in mir keine Widerstände mehr auftauchen. Diese tauchen auf, ja, doch dann begegne ich diesen Widerständen bewusst und sage Ja zu ihnen, und dann ja zu der Situation, auch wenn sie schmerzt.

Wie ist es weiter gegangen?

Nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, diese Reise allein zu unternehmen, startete ich die Suche nach einem Auto. Bereits nach zwei Tagen Recherche hatte ich ein passendes gefunden, mit neuem TÜV und für sein Alter einem guten und gepflegten Zustand. Im Anschluss daran durchstöberte ich die verschiedenen Online-Portale nach einem passenden Wohnwagen. Diese Suche stellte sich als etwas umfassender heraus, als die nach einem Auto. Vieles gab es zu Bedenken: Größe, Gewicht, Länge des Fahrzeugs, am besten sollte er noch autark ausgestattet sein, damit wir unabhängig von einer äußeren Stromquelle unsere Geräte mit Energie versorgen können.

Nach einigen intensiven Tagen der erfolglosen Suche konzentrierte ich mich auf den Verkauf meines Hausrates, denn ohne Geld war an den Kauf eines Wohnwagens so wie so nicht zu denken. Zwischendurch überfielen mich Ängste, wie ich das alles allein schaffen sollte, wo ich doch technisch überhaupt keine Ahnung habe. Autos und Computer sind für mich Dinge, die ich gerne nutze, aber mir mangelt es an technischem Verständnis. Was, wenn etwas kaputt ging? Oder wir allein irgendwo in der Fremde mit dem Auto liegen blieben? So und so ähnlich schwirrten mir Gedanken durch den Kopf.

Es war gut, dass all diese Ängste hoch kamen. In Wirklichkeit ging es nicht um diese Ängste, sondern um etwas ganz anderes. Etwas sehr grundlegendes: Es ging um Vertrauen.

Wenn ich im Vertrauen bin, dann weiß ich, dass egal was geschieht, ich sicher bin und mich nicht zu fürchten brauche. Egal wie unangenehm die Gefühle sind, die eine Situation in mir auslösen, weil ich denke, die Situation sollte anders sein als sie ist, so sagt mir das Vertrauen, dass es gut ist wie es ist, das ich loslassen und aufhören kann dagegen an zu kämpfen.

Wenn etwas Unerwartetes geschieht, wissen wir oftmals nicht sofort, warum es geschieht. Und der Verstand versucht die Ereignisse zu erklären, sie zu analysieren – das gibt ihm Sicherheit. Aber es ist nur eine scheinbare Sicherheit. Wir benötigen noch nicht einmal wirklich eine Erklärung der Dinge. Es reicht zu wissen, dass sie geschehen sind, und dass sie mir und allen Beteiligten dienen. Sonst wären die Ereignisse nicht passiert.

Also widmete ich mich einer meiner wichtigsten Übungen: Vertrauen, ohne zu wissen wohin diese Erfahrung führt.

„Ja“, sagte ich zu mir und zu dieser Erfahrung. Ja, ich vertraue, und ich weiß, dass alles wie es ist, gut und richtig für mich ist. Und ein anderes Wunder geschah: Ein mir sehr naher Freund bot sich an, uns nach Spanien zu begleiten, so dass wir die erste Zeit nicht allein wären. Zumal ich auch Fahranfänger bin. Meinen Führerschein habe ich vor über 20 Jahren gemacht, und bin danach nur ein paar Mal das Auto eines Freundes gefahren. Anschließend bin ich nie wieder Auto gefahren. Und jetzt noch einen Hänger hinten dran… Da kamen natürlich Ängste in mir hoch. Umso größer war dann auch die Freude über das riesen Geschenk, dass mich ein Freund auf dieser Reise das erste Stück begleiten wird.

Die Zeit schritt voran, es ging auf Ende Juli zu, und kein Wohnwagen war in Sicht. Nicht dass es keinen im Angebot gab. Doch hatte ich bei keinem den Impuls, ihn zu kaufen. Es war einfach noch nicht der Richtige dabei, oder es war eben nicht der richtige Zeitpunkt gekommen.

Die Wohnung war bereits gekündigt, und so musste ich schauen, wo wir übergangsweise unterkommen könnten, falls sich kein Wohnwagen finden würde. Das war einerseits eine große Herausforderung für meinen Verstand, andererseits hatte ich schon ein sehr starkes Vertrauen entwickelt, dass wir das passende zur richtigen Zeit für uns finden würden. Und so war es dann auch. Ungefähr eine Woche vor dem Auszug hatten wir die Zusage eines nahen Freundes, dass wir übergangsweise bei ihm wohnen könnten.

So sind wir zwar nicht wie geplant nach Spanien aufgebrochen. Aber ich habe jetzt Zeit, alle Papiere zu ordnen, und genau zu schauen, was wir tatsächlich für die Reise benötigen und wie ich den Wagen ausstatten möchte. Es gibt keine Eile.

Wir sind hier an diesen Platz gestellt worden, und sollen jetzt genau hier sein.

Wer weiß schon, wozu alles gut ist. Das Leben ist so viel größer und umfassender, als sich unser Verstand vorstellen kann.

Ich habe ein Ja für diese Situation. Ich fühle sogar Freude dabei. Obwohl es ganz anders gekommen ist, als geplant. Das Ja kommt von meinem Herzen, dem ich bedingungslos vertraue.

Dieses Vertrauen wächst nicht von heute auf morgen.

Aber du kannst beginnen, dich immer wieder für Vertrauen zu entscheiden. Du hast die Wahl. Der Weg, den dein Herz gehen will, ist nicht immer leicht. Wir kommen dabei sicher an Punkte, die sehr herausfordernd sind. Doch tief in uns wollen wir das. Wir wollen uns unseren Ängsten und Verletzungen stellen. Denn wenn wir es nicht tun, bleiben wir dort wo wir sind, wir stagnieren. Für eine Zeit mag das ok sein. Aber früher oder später werden wir den Impuls verspüren, uns ausdehnen und weiter wachsen zu wollen.

Wenn wir uns für Vertrauen entscheiden, egal was geschieht, gibt uns das eine Basis, mit der wir viel leichter die Ereignisse in unserem Leben händeln können.

Es mag schmerzvoll und beängstigend sein, was geschieht, aber wir wissen dann, dass es uns dient und können es leichter akzeptieren.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich sage hier nicht, dass du alles in deinem Leben akzeptieren sollst. Wenn dir etwas nicht gefällt, und du es ändern kannst – tue es! Doch wenn da etwas ist, was erst einmal nicht zu ändern ist, dann erleichtert es dein Leben ungemein, wenn du den Widerstand dagegen aufgibst und dich einfach in die Situation hinein entspannst.

Möglicherweise soll etwas gerade genau so laufen wie es läuft. Möglicherweise dient es nicht nur dir sondern auch anderen. Und vielleicht wartet ja noch etwas viel Besseres auf dich.

Es gibt immer einen guten Grund, wenn etwas Ungeplantes geschieht. Daran glaube ich zutiefst.

Ich wünsche dir den Mut, deinem Leben zu vertrauen! Dir zu vertrauen!

In Liebe

Astrid *Sternenseglerin

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