Zurück zum Wesentlichen – Abschied von Noa

Wohin will die Liebe fließen – jetzt? Was ist wirklich wichtig und wesentlich in diesem Moment?

Als mein Kater Noa am ersten Weihnachtstag verstarb, hat mich das zutiefst bewegt. Neben all dem Schmerz, habe ich zu tiefer Dankbarkeit und Wertschätzung gefunden. Er war gerade gestorben, ich legte ihn auf das Sofa und setzte mich ganz nah zu ihm. Zig Situationen tauchten auf einmal vor meinem inneren Auge auf, in denen ich einen Herzensimpuls, mich Noa zu widmen, auf später verschoben hatte, weil angeblich gerade anderes wichtiger war. Mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich statt auf mein Herz zu hören, in vielen Fällen dem Verstand gefolgt war. Das löste zunächst ein Gefühl tiefer Reue aus, ein Bedauern darüber, so wesentliche Momente mit ihm verpasst zu haben. Dabei ging es nicht darum, mich dafür zu verurteilen. Natürlich hätte ich im Nachhinein von Herzen gerne in vielen Situationen anders gehandelt. Ich habe jedoch gelernt, dass Urteile über mich und andere nicht hilfreich sind, sie würden den Schmerz nur vergrößern.

So sass ich da und streichelte sein schwarzes samtenes Fell, und ließ die Tränen fließen. Nach einer Zeit spürte ich eine tiefe Ruhe in mir. Ich fühlte, dass sein Abschied etwas Wesentliches für mich beinhaltete. Sein Tod erinnerte mich daran, in jedem Moment achtsam und präsent zu sein. Wenn ich präsent bin, und dem Leben vertraue, kann ich die Liebe fliessen lassen so wie sie im jeweiligen Moment durch mich fliessen will. Dann muss ich nicht mehr kontrollieren. Ich kann dem folgen, was sich gerade im Leben ereignet. Kein Widerstand mehr, sondern tiefes Vertrauen und Hingabe. Wir haben immer die Wahl: Entweder ich lasse den Impuls, die Liebe zu, oder ich unterbreche ihren Fluss.

Ich erinnere mich an viele Situationen. Hier ein typisches Beispiel aus meinem Leben:
Wir kommen vom Einkaufen zurück. Meine beiden Katzen Mica und Noa laufen zur Tür, um uns zu begrüßen. Ich nehme wahr, dass sie sich freuen, uns wieder zu sehen. Sie bitten in ihren Augen um eine Zuwendung von mir. Ich berühre sie flüchtig zur Begrüßung, und fange dann an, `en Einkauf auszupacken. Sie laufen linter mir her, streichen um meine Beine. Ich bemerke den Impuls in mir, mich hinunter zu beugen, um sie ein wenig zu kraulen. Doch dann sehe ich wieder die vollen Einkaufstaschen, und verschiebe es auf später. Doch später ist Abendessen dran, ein Telefonat mit einer Freundin, und dann ist auch schon Bettzeit für meine Tochter. Und ich selbst bin mal wieder so müde, dass ich ebenfalls zusammen mit meiner Tochter schlafen gehe.

Derlei Situationen im Zusammenleben mit meinen Katzen gab es viele. Ich nahm einen Herzensimpuls wahr, und verschob diesen auf später. Doch dieses später trat oft nicht ein, weil es dann wieder angeblich andere wichtige Dinge gab, die erledigt werden „mussten“. In vielen Bereichen in meinem Leben gelingt es mir zumeist, auf mein Herz zu hören, beispielsweise genau hinzufühlen, wann ich Hausarbeiten oder andere Aufgaben erledige. Dafür gibt es immer einen Impuls, wie eine kleine Freude oder Lust, genau dies jetzt zu tun. Und wenn der Impuls dafür nicht da ist, darauf zu vertrauen, dass sich dieser in einem anderen Zeitfenster einstellt. Es gibt für alles eine Zeit, in der die Dinge am besten erledigt werden können.

Noas Verlust hat mir gezeigt, dass es da noch Bereiche gibt in denen ich lernen kann, präsenter zu sein und dem Impuls aus dem Herzen zu vertrauen. Es war, als ob es da ein Schleier gegeben hätte, durch den ich nicht klar sehen konnte. Erst Noas Tod hat diesen Schleier zerrissen. Er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Herzensimpulse und den Fluss der Liebe in dem Moment zuzulassen, in denen sie entstanden sind, und sie nicht auf später zu verschieben. Denn wir wissen nicht, was morgen ist, wir wissen noch nicht mal, was sich in den nächsten fünf Minuten ereignet. Das Leben findet immer genau Hier, genau Jetzt statt. Und wer weiß, wenn ich manches Mal auf diese Impulse gehört hätte, wäre ich am Ende des Tages womöglich weniger müde gewesen. Denn ich hätte mir mehr Zeit genommen. Zeit zum Kuscheln, zum Entspannen und einfach nur Sein. Wenn jemand schon einmal mit einer Katze auf dem Schoß gesessen, ihren warmen Körper und ihr Schnurren genossen hat, der weiß, wieviel innere Ruhe und Kraft dadurch in einem entsteht. Das ist Meditation pur. Überhaupt empfinde ich Katzen als große Lehrmeister im Sein. Sie kümmern sich wirklich nur um das, was für sie jetzt wesentlich ist. Wenn sie schlafen, schlafen sie. Wenn sie jagen, jagen sie. Sie sind voll präsent in jedem Moment.

Ich trauere darum, dass ich Noa nicht mehr körperlich fühlen und sehen kann, doch weiß ich, dass der Tod nicht wirklich existiert. Seine Lebensenergie hat diesen Körper verlassen, doch seine Präsenz ist für mich immer noch spürbar, so als ob zwischen uns keine Trennung existiert. Am Ende danke ich Noa aus tiefstem Herzen für seine Botschaft an mich, die ich nun auch dir weiter geben mag:

„Es gibt nur diesen einen Moment. Vertraue dich ihm vollkommen an, und lass dich von der Liebe leiten – jetzt!“

 

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